Und der Tod fragte sich, ob er (un)endlich ist

von Charlie Reiss.

Und der Tod fragte sich, ob er (un)endlich ist

Und der Tod fragte sich, ob er (un)endlich ist

Der Tod, mal anders gedacht – nachdenklich, humorvoll und in Jeans und Hoodie! Wer denkt, dass der Tod immer im schwarzen Umhang und mit Sense auftritt, der irrt. Die holt er nämlich nur hervor, wenn es dramatisch werden soll. Normalerweise sind seine Lieblingsklamotten eher zeitgemäß: Jeans und Hoodie. Genauso feinsinnig humorvoll wie er ist auch seine Geschichte. Und wenn er dich dabei zum Nachdenken über dich und deine eigene Endlichkeit bringt, hat er seine Sache gut gemacht. Dann wirst du sehen, dass er selbst eigentlich gar nicht so zum Fürchten ist.

Klappentext:
UNENDLICHKEIT IST AUCH KEINE LÖSUNG!
Der Tod hat genug. Nachdem er mal wieder ein Kind aus einem Kriegsgebiet abholen und begleiten musste, reicht es ihm: Burn-out. Natürlich kann er nicht von jetzt auf gleich einfach so seine Arbeit quittieren. Doch er beginnt zu hinterfragen, welchen Einfluss sein Erscheinen auf das Leben Hinterbliebener hat. Außerdem möchte er herausfinden, weshalb ihn die Menschen so fürchten – denn eigentlich ist er doch ein netter Kerl mit einem feinen Sinn für Humor, der nur seinen Job macht! Um Antworten zu finden, trifft er sich als Boandl Kramer immer häufiger mit Menschen, die auch nach seinem Besuch noch weiterleben. Es beginnt eine Suche, bei der Boandl Beziehungen knüpft, in einer BMW Isetta die Langsamkeit wiederentdeckt und dabei – je mehr er sich mit sich selbst beschäftigt – immer näher an den Rand des Wahnsinns gelangt. Am Ende verweben sich seine anfänglichen Fragen zu einer großen: Ist vielleicht auch er gar nicht unendlich?

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Infos & Links:

Genre(s): Belletristik, Gegenwartsliteratur, Humor, Satire, Schwarzer Humor
Ausgaben: Taschenbuch, Hardcover, E-Book, Hörbuch

Taschenbuch: ISBN 978-3985957576 – S. 252
Kindle: ASIN B0CDSJQY7B – S. 235
Hörbuch: ISBN 4099994146661 – 5,7 Std.
Distributor: Nova MD

Hörbuchdownload im Buchhandel und auf Audible.

Leseprobe
Kapitel 1 – Schön, dass Sie hier sind

„Ich entledigte mich nicht einmal meines Anzugs, sondern haute einfach ab. Weg von dem Lärm. Weg von dem Gestank. Weg von dem Leid. Weg von allem. Ich verschwand, ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen, und fand mich plötzlich auf der sonnigen Lichtung eines saftig grünen Laubwaldes wieder. Die Lichtung, auf der wir uns gerade befinden. Mein Ruheort.

Ich bin ruhig. Ich bin ganz ruhig.

Ich zog meine Schuhe aus und stellte sie ordentlich nebeneinander auf das weiche, feuchte Moos, ehe ich mich barfuß im Schneidersitz auf diesen abgesägten Baumstamm hier setzte und zu meditieren begann. Auch wenn es mein momentanes Outfit vermuten lassen mag, bin ich weder Banker noch Bestatter. Nein, ich bin der Tod selbst. Wie lange ich das hier bereits mache? Ewig. Angefangen habe ich als junger Kerl, wenn man so will. Die Menschheit hat mir schon viele Namen gegeben. Schnitter, Freund Hein, Gevatter Tod, Sensenmann. Mir persönlich gefällt Boandl am besten, als Kurzform für Boandlkramer.

Meine Freunde nennen mich genau so. Ja, richtig gehört: Ich habe Freunde. Konnte ich mir früher auch nicht vorstellen.
Im Grunde gefällt mir, was ich mache. Zwar sehen die Menschen in mir lediglich das Ende des Lebens, doch ich trage eine große Verantwortung. Fehler sind nicht revidierbar. Klassischerweise hole ich die, deren Zeit gekommen ist: Alte und Kranke. Und auch wenn ich stets die quälende Frage nach dem Warum hinterlasse, wird meine Anwesenheit meist als Erlösung wahrgenommen. Die Verstorbenen sehen in mir einen Gefährten auf ihrer letzten Reise, wohin auch immer diese gehen mag. Das steht auf einem anderen Blatt und Erläuterungen dazu würden an dieser Stelle zu weit führen. Nennen wir das Ziel daher einfach: das Jenseits. Meistens sind die Momente, in denen ich auf der Bildfläche erscheine, aber nur schlimm für die Angehörigen, nicht für die Sterbenden selbst.
Bei Unfällen, Verbrechen, Kriegen, Hinrichtungen et cetera hingegen trifft es häufig auch sehr junge oder kerngesunde Menschen. Ihr Sterben geschieht durch Menschenhand, und hier bleibt für mich die Freude an meiner Arbeit auf der Strecke. Schon früher, weit vor der modernen Zivilisation, töteten sich die Menschen gegenseitig. Mann gegen Mann, Stamm gegen Stamm – glauben Sie mir: Es gibt nichts, „ was es nicht gibt. Immer in der Angst um das eigene Selbst. Animalisch.
Aber ich schweife ab …
Sicher fragen Sie sich, was für den Tod der Auslöser gewesen sein kann, wegzurennen. Also beginnen wir am besten von vorne: Ich war wieder in Aleppo. Im Norden Syriens. Und ich musste ein Kind begleiten. Schon wieder. Das Weinen der Mutter, die Schreie. Normalerweise bin ich echt nicht sonderlich empfindlich, aber dieses Mal hat es mir einfach gereicht. Kriege sind sogar für mich harte Brocken. Da soll noch mal einer sagen, ich hätte keine Gefühle! Wenn ich zurückdenke, ergreift mich gleich wieder diese innere Unruhe.
 
Ich bin ruhig.

Jeder muss mal ausspannen. Selbst ich. Das bedeutet übrigens nicht, dass in dieser Zeit niemand stirbt. Fragen Sie aber bitte nicht, wie ich das schaffe – das menschliche Gehirn ist schlicht nicht in der Lage, diese Prozesse und Vorgänge zu erfassen. Zu sehr ist es auf das Hier und Jetzt gepolt, also geben Sie sich gar keine Mühe. Ich kann nur so viel sagen: Ich bin stets dort, wo man mich braucht, und jeder bekommt mich so zu Gesicht, wie es der jeweiligen Situation angemessen ist.
Im Moment befinde ich mich eben in meinem schwarzen Anzug gekleidet auf dieser wundervollen Lichtung – weil es für Sie gerade so passt.
„Es ist schwierig, zu verstehen, warum der Lauf der Dinge so ist, wie er ist. Auf der einen Seite wird Ihr Planet von einer Überbevölkerung Ihrer Spezies bedroht. Mir gefällt hierzu das Bild, auf dem die Erde einfach fällt, weil sie zu schwer geworden ist. Sie fällt und fällt und fällt. Vielleicht schlägt sie zwischendrin mal irgendwo auf und hüpft dann weiter wie ein Gummiball. Recht amüsante Idee, wie ich finde. Aber muss deshalb denn innerhalb eines Jahrhunderts gleich ein solches Massensterben – oder sollte ich besser sagen: Massentöten – veranstaltet werden, um der Überbevölkerung entgegenzuwirken? Also, nicht, dass wir uns falsch verstehen, die Zeiten davor waren nicht viel besser. Aber wenn das so weitergeht, brauche ich mich um die Alten und Kranken bald gar nicht mehr kümmern. Dann bin ich nur noch Handlanger für die Kriegstreiber. So war das nie geplant.

Ich bin ganz ruhig.

Ob sich da noch mal etwas ändert? Als ich das erste Mal auf dieser Lichtung war, ging mir genau dasselbe durch den Kopf. Ich war überarbeitet und durcheinander. Und bereit zu kündigen, wenn sich die Situation in den nächsten Jahrzehnten nicht bessern würde. Hm … Selbst aus heutiger Sicht hätte das manchmal wirklich was für sich. An jenem Tag wollte ich jedenfalls einfach mal Ruhe. Nichts tun. Entspannen. Vielleicht Urlaub machen? Das wäre was!  […]

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Genre(s): Belletristik, Gegenwartsliteratur, Humor, Satire, Schwarzer Humor
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Taschenbuch: ISBN 978-3985957576 – S. 252
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