Eine Beerdigung. Ein Theaterbesuch. Eine Kindheit, die plötzlich zurückkommt.
2015.
Bei einem Besuch des Musicals »The Rocky Horror Show« kehrt Johannes Eisner ungebeten in die 80er zurück – in das idyllische bayerische Dorf seiner Kindheit. Freibad, Hörspiele, Actionfiguren, geheime Treffen in Opas Scheune.
Philipp W. Wilhelm erzählt vom scheinbar behüteten Aufwachsen in überforderten Familien, rauchgeschwängerter Geborgenheit, vom Zeitgeschehen und von einer Gesellschaft, die lieber wegschaut als hinschaut.
Rosa ist die Welt mit tiefblauen Flecken.
Ein leiser Roman über fragile Freundschaften, das erste Aufkeimen queerer Identität und Risse, die früh entstehen, aber lange unentdeckt bleiben.
Buchdetails
Buchkategorie/Genre: Familien- & Gesellschaftsromane, Gay & Queere Bücher, Tagebücher, Bio- und Autobiografien
Taschenbuch
ISBN: 978-3-6957-0130-8
Seitenzahl: 352
Verlag: BoD – Books on Demand
Erscheinungsdatum: 14.05.2026
Preis: 14,90 Euro
Kindle Ausgabe
ASIN: B0G5P8L885
Erschienen bei: Kyndzkopf
Erscheinungsdatum: 14.05.2026
Preis: 9,99 Euro
Über den Autor
Name des Autors:
Philipp W. Wilhelm
Webseite des Autors:
www.kyndzkopf.de
Der Autor im Social Media:
Author Central: www.amazon.de/author/B0GBLZH38M
Instagram: @kyndzkopf
Mehr Informationen zum Autor:
Philipp W. Wilhelm wurde 1981 in Niederbayern geboren. Nach einer rund siebzehnjährigen Laufbahn als freischaffender Schauspieler (geprägt von einer tiefen Verwurzelung im Musiktheater und einer Begeisterung für Kultfilme wie The Rocky Horror Picture Show) wechselte er 2020 hinter die Kamera und arbeitet seitdem im Bereich der Fernsehproduktion.
Philipp lebt mit seinem Mann sowie drei Kronengeckos, zehn Vogelspinnen und einer Eierschlage in München.
Leseprobe
Wenn man in einem niederbayerischen Dorf aufwächst, sorgen Namen für Auswärtige aus dem Norden oft für Verwirrung. Aus »Josef« wird »Seppe«, aus »Matthias« »Hias«, aus »Johann« »Hansi«. Kommt dann noch ein landwirtschaftlicher Betrieb hinzu, wird es komplizierter. Aus »Florian Müller« wird ein »Hansbauer«, aus »Josef Brandl« der »Thalbauer«.
Wie einfach erweist sich die Namensgebung für eine bayerische Großmutter. Die nennt man »Oma« oder – in meinem Fall könnte man annehmen – die »Hundhammer-Oma«.
Aber weit gefehlt!
»Mein kleiner Giovanni, hier ist deine Nonna!«
Mit diesem Aufschrei stürzte Oma Beate auf der Entbindungsstation ins Zimmer meiner Mutter, mit Opa Ludwig im Schlepptau.
Ich fühlte mich nicht angesprochen, war noch keiner Fremdsprache mächtig und musste mich außerdem von den Strapazen der letzten Nacht erholen.
Meine Mutter sah das ein wenig anders.
»Dein Enkel heißt Johannes, und du machst sofort die
Zigarette aus, Mutti! Das ist ein Krankenhaus, kein Wohn-zimmer!«
Oma Beate drückte mich an ihre Brust, und ich drehte gerade noch den Kopf zur Seite, bevor mir die Asche aufs kahle Haupt fiel.
»Beate, mach die Zigarette aus!«, drängte Opa Ludwig.
Oma verdrehte die Augen, öffnete das Fenster und schnippte die Kippe nach draußen.
Meine Mutter war schnappatmend am Explodieren, aber der Blick meines Vaters – Reg dich nicht auf, du kennst sie ja – beruhigte sie etwas. Er wusste: Sobald seine Schwiegermutter Beate in Aktion trat, setzte sie alle Regeln außer Kraft. Obendrein war sie sehr beharrlich.
»An den Rauch wirst dich schon gewöhnen, Giovanni. Mach doch mal deine Augen auf, ich bin’s, deine Nonna.«
»Oma, Mutti!«
»Nonna. Es ist wichtig, dass ein Kind mehrsprachig aufwächst. Mein Gott, Kind, das ist aber ein Brocken! Wie hast du denn den rausgekriegt, wo du doch so schmal gebaut bist?«
Mit diesen Worten drückte sie mich an ihr beachtliches Dekolleté und verwandelte mich in ein Chanel-Nr-5-Wölkchen. Auch bei eisigen Temperaturen geizte sie nicht mit ihren Reizen.
Optisch war Oma Beate in der Hippie-Ära hängengeblieben. Sie trug mit Vorliebe gemusterte Schlaghosen, eine wilde rote Mähne, rote Fingernägel und war schmuckbehangen wie Elizabeth Taylor – nur ohne deren Juwelen. Kurz: Sie passte in unser Dorf wie das römische Kolosse-um aufs Land.
Oma Beate war ihrer Zeit voraus.
Als Nordlicht im Jahr 1937 in Delmenhorst geboren, kam sie im Alter von sechs Jahren mit ihrer Familie nach Süddeutschland. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten im eher grantig-gemütlichen Bayern akklimatisierte sie sich in den folgenden Jahren zusehends, doch ihre extrovertierte Art, gepaart mit ihrer extravaganten Optik, trug nicht unbedingt dazu bei, vollends anzukommen.
Nach ihrer Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau im überschaubaren Plattling zog die neunzehnjährige Beate in die große weite Welt nach München, um nach einer enttäuschenden Liaison mit Karl, einem akribischen Beamten von der Steuerfahndung, wieder im niederbayerischen Plattling zu landen, diesmal – Ironie des Schicksals – im Café Große Freiheit als Bedienung.
Dort traf sie auf Ludwig Hundhammer, tingelnden Gitarristen und passionierten Sänger, der mit »’O Sole mio« endgültig ihr Herz eroberte. Er beherrschte alle Gassenhauer seiner Zeit. Sein Herz brannte für italienische Volksweisen. Einen Wimpernschlag später war sie zu ihm in sein Heimatdorf gezogen.
Der Verlag
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