Berichte über mysteriöse Begebenheiten haben Hochkonjunktur. In der paranormalen Literatur treffen wir auf einen schnell anwachsenden Berg von seltsamen Geschichten, die zwar oft wiederholt, aber nur selten hinterfragt werden. Dieses Buch stellt Forscher aus aller Welt mit ihren Entdeckungen vor.
Erfahren Sie die wahren Hintergründe zu bekannten urbanen Legenden wie:
- den Mann aus Taured: Am Flughafen von Tokio festgenommen kommt er aus einem Land, das auf keiner Karte zu finden ist, dennoch belegt sein Pass eine jahrelange ungehinderte Reisetätigkeit. Wie kann das sein?
- Hoer Verde: Sämtliche Bewohner der kleinen Siedlung verschwinden spurlos über Nacht. Doch schon den Ort selbst zu finden stellt ein Problem dar – kein Wunder, denn der Name ist falsch…
- David Lang: Ein Farmer verschwindet vor den Augen seiner Familie während er ein Feld überquert. Seine Geschichte wurde oft zitiert, doch noch längst ist dazu nicht alles gesagt worden…
- den Zanetti-Zug: Ein Zug verschwindet in einem Tunnel – doch er bleibt nicht verschwunden! Wo er wieder auftaucht ist das Problem…
- Emilie Sagée: Die Lehrerin eines Mädchenpensionats pflegt vor ihren Schülerinnen zusammen mit einer geisterhaften Kopie zu erscheinen, was eine Zeugin bestätigt. Doch bereits die persönlichen Umstände der Zeugin geben Rätsel auf…
und viele mehr…
Ein reichhaltiges Quellenverzeichnis rundet die Dokumentation ab.

Buchdetails
Buchkategorie/Genre: Sachbücher
Erschienen bei: BoD – Books on Demand
Taschenbuch
ISBN: 978-3-6967-0347-9
Seitenzahl: 336
Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2026
Preis: 14,99 EUR
Leseprobe
Tatsächlich sah es lange Zeit so aus, als wäre der Geschichte nicht beizukommen, nicht zuletzt wegen der Sprachbarriere, da in diesem Fall natürlich Nachforschungen vor Ort in Japan unverzichtbar sind. Glücklicherweise hat es jedoch Forscher gegeben, die […] Hilfe von dort erhalten haben. Es hat sich dabei unerwarteterweise herausgestellt, daß der Fall des Mannes aus Taured tatsächlich echt ist, jedoch, nach dem Prinzip der Stillen Post, über die Jahre in weiten Teilen völlig entstellt weitergegeben worden ist, nicht zuletzt aufgrund sprachlicher Probleme.Was also hat es mit dem Mann aus Taured tatsächlich auf sich?
Bereits ein erster Blick fördert einige Seltsamkeiten zu Tage. Denn wenn man jemanden bei einer Straftat erwischt nimmt man ihn für gewöhnlich fest und wenn man nichts gegen ihn vorbringen kann muß man ihn halt wieder laufen lassen. Aber den Mann ohne etwas Konkretes einfach in Gewahrsam zu nehmen? Und vor allem durch wen? Durch den Wachdienst vom Flughafen? Ein Wachdienst hat, von Notfällen einmal abgesehen, auch nicht mehr Befugnisse als ein Bürger. Er darf in begründeten Fällen jemanden für kurze Zeit festsetzen, aber das auch nur bis die Polizei eintrifft. Der Wachdienst hat also die Pflicht, die Polizei unverzüglich zu informieren und ihr den Verdächtigen zu übergeben. Und was ist mit den Wachen vor dem Hotelzimmer? Der Wachdienst vom Flughafen hat im Hotel keinerlei Befugnisse und der Wachdienst des Hotels hat noch nicht einmal einen Grund, gegen einen Gast vorzugehen, der bei ihnen doch gar nichts angestellt hat. Und warum wurde der Mann aus Taured eigentlich überhaupt in einem Hotelzimmer untergebracht? Seit wann reserviert man einem Verdächtigen denn ein nettes Hotelzimmer anstatt ihn festzunehmen? Und wenn man ihm nichts vorwerfen kann hat ohnehin niemand irgendein Recht, den Mann in einem Zimmer festzuhalten. […]
In dieser Geschichte scheint es also mehr merkwürdiges zu geben als nur einen Mann unbekannter Herkunft. All diese Ungereimtheiten sind schon einigen irritiert aufgefallen, sie fordern förmlich zu einer tiefergehenden Untersuchung auf. Und eine solche hat es erfreulicherweise gegeben.
Geknackt wurde diese harte Nuß im Zeitraum 2019/2020 von Natanael Antonioli, einem brasilianischen YouTuber und „investigativen Journalisten“, dem wir im Fall Sagée schon begegnet sind, und seinem Forscherkollegen Não Adivinho. Beide haben sich zunächst mit den naheliegenden Quellen befaßt, den zahlreichen Artikeln im Internet. Schnell haben die beiden feststellen können, daß die Geschichte dort auch heute noch mehr und mehr ausgeschmückt wird. So wird das Alter des Mannes aus Taured inzwischen von einem „mittleren Alter“ auf „um die 40“ konkretisiert. Der Unbekannte wirkt nun bereits von vornherein, also auch ohne die „Hilfe“ der japanischen Flughafenbeamten, „nervös und verwirrt“ und „bat die Leute in einer unbekannten Sprache mit französischem Akzent um Hilfe“. Die japanische Sprache hat er inzwischen offensichtlich verlernt, dafür gibt man ihm jetzt einen Metallkoffer an die Hand. Der Reisepass zeigt nun auf einmal einen Stempel aus Japan aus dem Jahr 1988 auf (wohlgemerkt, wir befinden uns immer noch im Jahr 1954!). Und nach dem Verschwinden des Unbekannten aus dem Hotelzimmer liegt dort nun angeblich ein Schwefelgeruch in der Luft, zudem wird im Mülleimer ein zerknülltes Stück Papier gefunden worden, das in der Sprache von Taured geschrieben wurde. […]
Bei derart viel Kreativität in den aktuellen Berichten des Internets ist Antonioli und Adivinho schnell klar geworden, daß hier nur ein Blick zurück helfen kann. Ihr Ziel bestand nun darin, die Welt der Bücher nach dem unbekannten Reisenden zu durchforsten. Das älteste indizierte Ergebnis finden sie schließlich in dem Buch „The Directory of Possibilites“, herausgegeben von Colin Wilson und John Grant im Jahr 1981. Es handelt sich bei diesem Buch um eine Kooperation mehrerer Autoren. Der Eintrag zum Thema Taured stammt von Paul Begg, der zu dieser Zeit bereits durch sein eigenes Buch „Into Thin Air“ bekannt war, in dem es um das verwandte Thema des mysteriösen Verschwindens geht. Wer nun aber hier umfassende Informationen erwartet wird leider enttäuscht. Denn Beggs Erkenntnisse zum Fall Taured beschränken sich auf gerade mal einen einzigen Satz: „Und 1954 soll eine Passkontrolle in Japan angeblich einen Mann mit Papieren hervorgebracht haben, die von der Nation Taured ausgestellt wurden.“ Und Begg ist konsequent, denn er läßt nicht nur den kompletten Rest der Geschichte weg, sondern auch geich jegliche Quellenangaben.
Es stellt sich an dieser Stelle zunächst die Frage, unabhängig davon, was nun tatsächlich hinter der ganzen Geschichte steckt, woher die heutige, eingangs geschilderte erweiterte Fassung der Geschehnisse stammt. Wenn das „Directory of Possibilites“ 1981 gerade mal einen einzigen Satz geliefert hat und auch darüber hinaus keine umfangreicheren frühen Quellen auszumachen sind, woher stammt dann der ganze Rest der Geschichte?
Autoren-Infos
Name:
Stefan Nesemann
Autorenvita:
Stefan Nesemann ist ein engagierter Sachbuchautor mit einer Leidenschaft für ungelöste Rätsel und tiefgehende Recherchen. Mithilfe von intensiven Nachforschungen in Archiven prüft er urbane Legenden und moderne Sachverhalte auf ihre Stichhaltigkeit, stellt eventuelle Irrtümer richtig und erweitert ihren Wahrheitsgehalt durch fundierte Quellen. Seine Neugier und sein analytisches Denken treiben ihn an, komplexe Zusammenhänge verständlich und ansprechend zu präsentieren, um seine Leser auf eine spannende Entdeckungsreise mitzunehmen.
Kurzlink zu dieser Buchvorstellung: https://buecherversum.de/lt2tx
