Als Bert Stein öffentlich an den Pranger gestellt wird, beginnt für ihn eine Jagd, die weit über Zeitungsartikel hinausgeht. Alte Texte werden gegen ihn verwendet, Verdienste zählen plötzlich nichts mehr, und aus einem Trainer wird in der öffentlichen Wahrnehmung ein Verdächtiger. Gemeinsam mit der Journalistin Jeanette Freygang blickt er zurück: auf sein Leben, seine Bücher, seine Arbeit im Sport – und auf die Mechanismen einer Kampagne, die einen Menschen zerstören kann, bevor ein Gericht überhaupt gesprochen hat. Ein schonungsloser, autobiographisch geprägter Roman über Medienmacht, Ausgrenzung und den Kampf um die eigene Wahrheit.

Buchdetails
Buchkategorie/Genre: Romane & Erzählungen, Tagebücher, Bio- und Autobiografien
Erschienen bei: Verlagshaus Schlosser
Taschenbuch
ISBN-13: 978-3758103360
Seitenzahl: 330
Erscheinungsdatum: 26.06.2026
Buchpreis: 13,90 EUR
E-Book
ISBN-13: 978-3758163968
Erscheinungsdatum: 26.06.2026
Buchpreis: 6,99 EUR
Leseprobe
Jeanette ist ja nicht nur Journalistin und demzufolge zum Schreiben verpflichtet, sondern liest mit viel Interesse auch die Beiträge in anderen lokalen Zeitungen. Bei einer Artikelserie wird sie jedoch stutzig.
Sie hat die Journalie jetzt vor sich. Schon auf der Titelseite wird auf einen weiteren Beitrag hingewiesen. Da hat sich Jeanette jetzt durchgewurschtelt. „Trainer beschreibt
Sex mit Kindern“ lautet es da.
Es dauert nicht lange, und Jeanette kennt natürlich schon den Trainer. Sie haben vor vielen Jahren zusammengearbeitet. Als Ergebnis dessen waren mehrere Bücher entstanden, bevor man dann wieder eigene Wege ging. Jeanette ist dann in ihrer journalistischen Tätigkeit aufgegangen, währen ihr damaliger Wegbegleiter sich wieder in das Trainerdasein gestürzt hat. Ein wenig hatte er sich sicherlich von Jeanette abgeschaut, denn viele Artikel, in Auswertung von wichtigen Wettkämpfen seiner Turnerinnen, stammen aus seiner Feder.
Aber noch einmal zur Bestätigung liest sie die Ankündigung auf einen umfassenden Artikel noch einmal von vorn. Da heißt es: „Ein aktiver Kinder-Turntrainer hat als Romanautor unter Pseudonym sexuelle Handlungen mit Kindern beschrieben und deren Strafbarkeit infrage gestellt. ‚Ein schwachsinniges Gesetzt, in dieser gegenwärtigen Form, denn solche Beziehungen gehören heute zum Alltag‘, schreibt er im Vorwort eines seiner Bücher, das vor rund 20 Jahren erschienen ist und 2018 neu aufgelegt wurde.
Hier geht es mit Sicherheit um ihr erstes gemeinsames Buch „Das Tagebuch der Silke M.“.
Aber einfach mal weiterlesen, was daran so fatal sein soll, dass es Wert ist, so umfangreich darüber zu berichten. „Der Verein des Trainers weiß seit mehr als einem Jahr Bescheid, steht aber zu seinem Coach. Weil ein Sportgremium dem Verein keine Hallenzeiten geben möchte“, klagt dieser nun gegen diese Einrichtung.
Danach wird darauf hingewiesen, dass auf Seite 9 näheres erfolgt.
Bis dahin hat jetzt auch Jeanette weitergeblättert. Man scheint diesem Beitrag eine große Bedeutung geben zu wollen, denn jetzt folgt ein ellenlanger Artikel. Vorweg ein Foto, dass eine Turnerin darstellt. Dann folgt die Überschrift in großen Lettern. „In zweifelhafter Obhut.“
Schon die Aufmachung und die Artikellänge lässt vermuten, dass man hier ein bestimmtes Ziel verfolgt. Schließlich ist Jeanette selbst Journalistin, und weiß um solche Aufmachungen.
Also nimmt sie sich jetzt auch diesen Beitrag vor. Der Schreiberling ist wohl bemüht, hier auch einen Spannungsbogen aufzubauen. Na ja, eben journalistische Grundschule. „Das Cover ist unscheinbar. Eine schreibende Hand in Nahaufnahme, ein milchiges Bild, das an Buchtitel aus den 1980er Jahren erinnert. Das Werk des Autors B. Stein ist vor rund 20 Jahren erstmals erschienen, erst vor gut einem Jahr wurde es in einer neuen Auflage veröffentlicht. Der Inhalt indes hat es in sich.
Erzählt wird eine Geschichte aus der Sicht einer Gerichtsreporterin,
die sich besonders um Fälle von Kindesmissbrauch kümmert, wie es im Vorwort heißt. Was in den gut 600 Seiten folgt, ist kein Plädoyer für besseren Kinderschutz in Romanform. Vielmehr beschreibt der Autor in seinem Buch, das sich problemlos über diverse Internetseiten bestellen lässt, immer wieder Sexszenen einer Elfjährigen mit ihrem doppelt so alten‚ Onkel Klaus‘, die sie detailreich ihrem Tagebuch anvertraut. Diese Ausführungen liest wiederum die Gerichtsreporterin während ihrer Recherchen.“
Dann gibt es wieder eine neue Überschrift. „Trainer schreibt mit Pseudonym“
Für Jeanette eine Aufmachung, als ginge es um „Hitlers Tagebücher“.
Aber erst einmal weiterlesen. „Schon der Handlungsstrang ist zumindest verstörend – etwa, wenn über die ersten Kusserfahrungen zwischen zwei elfjährigen Mädchen sinniert oder der Sex eines Kindes mit dem Onkel als schönes Erlebnis beschrieben wird. Strafbar ist das Geschriebene jedoch nicht. Allerdings erscheint das Buch in einem besonderen Licht, seit klar ist, wer sich hinter dem Pseudonym B. Stein verbirgt. Siegfried J. (natürlich nicht der richtige Name), der über viele Jahre Kinder in Turnvereinen betreute – und das in einem Turnverein auch noch immer tut. ‚Man kann doch den Brandstifter in der Munitionsfabrik nicht Lagerverantwortlicher sein lassen, das geht nicht‘, sagt der Anwalt, der die verklagte Seite vor Gericht vertritt. Dort steht sie nicht als Kläger, sondern als Beklagter. Der Verein des Turntrainers hat dieses Sportgremium, weil dieser sich wegen der Mitgliedschaft des verdächtigen Trainers weigert, in den Vereinsbund aufzunehmen.
„Hier gibt es ganz gravierende Verdachtsmomente, die ausschließen, dass ein solcher Mensch an Kinder rankommt‘, sagt der Anwalt. Erst durch die Klage des Vereins, die am 20. April 2020 am Landgericht verhandelt werden soll, kommt nun die Tätigkeit des Siegfried J. an die Öffentlichkeit.
Was er mit seinem Buch vermitteln will, macht er ebenfalls schon im Vorwort deutlich.
Über den Autor
Name:
B. Stein
Autorenvita:
- 1950 in Treuenbrietzen geboren
- von 11 bis 22 Jahren aktiver Leistungsturner mit den Stationen Kinder- und Jugendsportschule (KJS) Luckenwalde, KJS Brandenburg, ASK ÑVorwärtsì Potsdam
- sportliche Erfolge: mehrere Einsätze bei Juniorenländerkämpfen; Nominierung als Olympiakader für die OS 1972)
- Ausbildung zum Elektromonteur im DEFA Studio für Spielfilme
- Studium an der PH Potsdam mit pädagogischen Diplomabschluss
- nach der aktiven Laufbahn als Leistungsturner viele Stationen in pädagogischen und administrativen Bereichen im Leistungsturnen in Frankfurt/O. Berlin und Potsdam
- davon 40 Jahre Turntrainer von Jungen und Mädchen in unterschiedlichen Bereichen
- Motivation zum Schreiben entstand durch eifriges Lesen bei den vielen Zugfahrten zu den Trainingsstätten
Kurzlink: https://buecherversum.de/hp0r
