Ein todbringender Unfall, eine zufällige Begegnung, das unerwartete Aufflammen von Gefühlen.
Als Robin unverhofft auf die Schwester seiner verstorbenen Partnerin trifft, wird er schlagartig in eine verdrängt geglaubte Vergangenheit zurückversetzt.
Es entsteht eine tiefgehende emotionale Verbindung, die von inneren Konflikten und dem Verarbeiten eines tragischen Verlustes geprägt ist.
Buchdetails
Buchkategorie/Genre: Romane & Erzählungen
Debütroman der Autorin
Taschenbuch
ISBN: 978-3-903443-58-7
Seitenzahl: 360
Verlag: Wolfgang Hager-Verlag
Erscheinungsdatum: 08.03.2026
Preis: 19,99 Euro
E-Book
ISBN: 978-3903443594
Verlag: Wolfgang Hager-Verlag
Erscheinungsdatum: 24.04.2026
Preis: 9,99 Euro
Kindle Ausgabe
ASIN: B0GYDLXYMZ
Verlag: Wolfgang Hager-Verlag
Erscheinungsdatum: 24.04.2026
Preis: 9,99 Euro
Über die Autorin
Name der Autorin:
Nastassja Böcher
Die Autorin im Social Media:
Instagram: @ellly.16
Mehr Informationen zur Autorin:
Nastassja Böcher wurde am 16.02.2000 in Mayen geboren.
Sie arbeitet als Dachdeckerin und ist nebenbei als Musikerin tätig. Im März 2026 erschien ihr Debütroman „Marie“.
Leseprobe
Es war Donnerstagvormittag. Ein kalter, von vereinzelten Schneeschauern durchzogener Morgen. Winzige Schneeflocken, die sich auf den Straßen sofort in trübes Wasser verwandelten, stachen in mein Gesicht und hinterließen eine eisige Schicht auf den niedrigen Hecken und Mauern. Ich war früh, viel zu früh. Mehr als eine Stunde hatte ich noch übrig –Zeit, die es in irgendeiner Weise zu überbrücken galt. Ich kann nicht sagen, dass es völlig ungewöhnlich für mich ist, einen Überschuss an Zeit zu haben und zu früh vor Ort zu sein. Doch es gelingt mir nie, diese obligatorische Viertelstunde übrig zu haben, die optimale Zeit, um sich mental auf alles Bevorstehende einzustellen.
Entweder erscheine ich im allerletzten Moment, gestresst, gedanklich noch bei irgendwelchen Ereignissen der vergangenen Tage, oder so viel zu früh, dass ich nichts mit der totzuschlagenden Zeit anzufangen weiß. An diesem Tag war es Letzteres. Insbesondere deshalb, weil ich mir fest vorgenommen hatte, meine Pünktlichkeit von einer reinen Glückssache zur Gewohnheit aufsteigen zu lassen.Hätte ich diesen einen Tag noch damit gewartet, wäre einiges niemals zustande gekommen und mein Leben vermutlich völlig anders verlaufen.
Gemächlich schlenderte ich also über den Marktplatz, blickte hin und wieder zu der kleinen Kirche, die nur wenige Straßen entfernt hinter den Häusern hervorlugte. Der kaum über die umliegenden Häuser hinausragende Turm erinnerte ein wenig an ein Kind, das beim Versteckspiel unauffällig den Kopf über die Mauer hebt, um nachzusehen, ob der Suchende sich bereits nähert.
Ich könnte hingehen, hoffen, dass schon jemand dort wäre, meine Gitarre abstellen, warten. Eine Stunde lang. Sämtliche Vorbereitungen, die es zu treffen galt, brauchten vielleicht eine Viertelstunde, wenn man eventuelle organisatorische Komplikationen und Plaudereien mit einrechnete.
Die Alternative, dem wohlriechenden Geruch von Kaffee zu folgen und mich noch eine Weile in ein warmes Café zu setzen, war doch um einiges verlockender.
Ich musste mich nicht lange umsehen, um eine Bäckerei und gleich zwei Cafés zu erblicken, und entschied mich für jenes, das den intensivsten Kaffeegeruch verströmte. Als wäre gerade in diesem Moment frischer Kaffee aufgebrüht worden, um mich anzulocken.
Der Eingang des Cafés war von dunklen Holzbalken und kunstvoll geschwungenen Schiefern geziert, und in dem kleinen Schaufenster lehnten sich einige vergilbte Bücher, Schnitzereien, eine alte Kaffeemühle und eine von Rissen und Flecken übersäte Mandoline aneinander. Völlig ohne Zusammenhang, und gerade das sprach mich an.
Vorsichtig öffnete ich die Tür und warf einen Blick hinein, als würde ich das Zimmer eines schlafenden Babys betreten. Das zaghafte Klingeln einer über dem Eingang angebrachten Glocke empfing mich wie eine freundliche Begrüßung. Es war nicht sehr voll, in der hinteren Ecke saß ein altes Ehepaar, neben dem Fenster zwei junge Männer, die sich leise unterhielten. Beide trugen kreisrunde Brillen, elegante Kleidung, einer hielt ein Buch in der Hand. Studenten, vermutete ich, die sich ihre Zeit vor der nächsten Vorlesung vertrieben. „Hallo!“, flötete eine tiefe, aber eindeutig feminine Stimme, und ich sah eine junge Frau, die gerade mit dem Zählen von Kleingeld beschäftigt war. Ihr rundliches Gesicht trug die gleiche Farbe wie der Kaffee auf dem Gemälde hinter ihr, das freundliche Lächeln zeugte von derselben Wärme.
„Was kann ich für dich tun?“
„Hi“, antwortete ich, „ich hätte gerne ’nen Kaffee.“
„Schwarz?“
„Ja.“
„Zucker?“
„Nö.“
„Pflegeleicht“, lachte sie. „Sehr schön.“
Sie nahm das Geld entgegen, dann drehte sie sich herum und rief: „Marie, machst du einen Kaffee? Ich bin gerade mit der Kasse beschäftigt.“ Und ohne eine Antwort abzuwarten an mich gewandt: „Kommt gleich.“
Da ich nicht den Eindruck erwecken wollte, zu erwarten, dass man mir den Kaffee an einen Tisch brachte, blieb ich an der Theke stehen und sah mich um. Das Café war recht altmodisch eingerichtet, sehr rustikal. Hölzerne Möbel, geschnitzte Dekorationen, Bücherregale. Und eingerahmte, vergilbte Notenblätter an den Wänden. Es wäre sicherlich mein Stammcafé, würde ich in dieser Kleinstadt leben.
„Bitteschön“, riss mich eine leise Stimme aus meinen Gedanken, ich drehte mich um. Und zuckte zusammen.
Das Mädchen vor mir lächelte mich freundlich an, mit warm leuchtenden, bernsteinfarbenen Augen und einem charmant nach oben gezogenen Mundwinkel. Die linke Gesichtshälfte war gänzlich vernarbt. Die Augenbraue aufgemalt oder tätowiert, die Wange, der Hals von Brandnarben überzogen. Krampfhaft versuchte ich, mir mein Entsetzen nicht anmerken zu lassen. Sie war es. Marie. Sie musste es sein. Die bernsteinfarbenen Augen, die frechen Sommersprossen, das kastanienbraune Haar. Die Verbrennungen.Verbrennungen, die sie sich bei einem Autounfall zugezogen hatte.
Ihr Lächeln war freundlich, ihrem Gesicht keine Reaktion zu entnehmen. Sie erkannte mich nicht.
Der Verlag
Webseite: www.wolfgang-hager-verlag.at
Weitere Bücher des Verlags:
Wolfgang Hager-Verlag

