Louise Fritz, Mutter von Zwillingen und chronisch überfordert, gerät regelmäßig in Konflikt mit ihrer eigenen Mutter – und mit Großmutter Rosie, die für jede Lebenslage einen weisen Spruch bereithält. Als Geschichtslehrerin mit einem ausgeprägten Sinn für Sarkasmus wird Louise während eines Kurztrips nach London überraschend ins 16. Jahrhundert katapultiert – mitten in die Zeit Heinrichs VIII. und seiner Vorliebe für kopflose Frauen.
Anstatt heldenhaft den Lauf der Geschichte zu verändern, stolpert sie mit einer Mischung aus Charme, Witz und unbeholfenem Mut durch die mittelalterliche Welt. Gemeinsam mit einer bunt zusammengewürfelten Reisegruppe erlebt Louise zahlreiche absurde Situationen und sucht verzweifelt nach einem Weg zurück in die Gegenwart.
Eine turbulente Zeitreise-Komödie, die Familienwahnsinn, höfische Fettnäpfchen und die Kunst der Selbstironie mit viel Herz und Humor zelebriert.
Buchdetails
Buchkategorie/Genre: Romane & Erzählungen
Taschenbuch
ISBN: 978-3-7581-0260-8
Seitenzahl: 316
Verlag: Verlagshaus Schlosser
Erscheinungsdatum: 10.04.2026
Preis: 15,90 Euro
E-Book/Kindle-Ausgabe
ISBN: 978-3758163708
ASIN: B0GTM7N9Z7
Verlag: Verlagshaus Schlosser
Erscheinungsdatum: 10.04.2026
Preis: 7,99 Euro
Über die Autorin
Name der Autorin:
Natascha Jancker
Die Autorin im Social Media:
Instagram: @nataschajancker
Mehr Informationen zur Autorin:
Natascha Jancker schreibt humorvolle Geschichten mit einem feinen Gespür für das Absurde im Alltag. Inspiriert von Autoren, die sie nachhaltig geprägt haben, entstand der Wunsch, selbst zu schreiben.
Mit ihrem ersten Buch erfüllt sie sich einen lang gehegten Traum – und beweist, dass Mut, Ausdauer und eine gute Portion Humor manchmal alles sind, was es braucht.
Leseprobe
„Ja, wenn die Hormone verrücktspielen, kann es schon einmal zu unschönen Dellen kommen. Besonders an den Oberschenkeln zeigen sich die Auswirkungen der Wechseljahre oft zuerst.“
Dr. Schlögl untersucht meinen Körper weiter, wie ein Mechaniker, der eine alte Karosserie auf der Hebebühne begutachtet. Doch statt in einer Werkstatt zu sein, sitze ich auf dem unbequemsten Frauenarztstuhl, den Wien zu bieten hat. Es fällt mir schwer, Empathie für Dr. Bertram Schlögl aufzubringen, ebenso wenig empfinde ich eine tiefe Verbundenheit zu meinen schlaffen Oberschenkeln, die sich offenbar in der Menopause zu speckigen Revoluzzern entwickelt haben. Am liebsten hätte ich ihm gesagt, dass ich auch etwas bemerkt habe, nämlich dass seine Eltern Geschwister sind. Doch ich lasse es bleiben, da ich eine gute Kinderstube genossen habe. Diese Information von ihm hat jedoch eine neue seelische Baustelle in mir aufgerissen.
„Ich würde Ihnen auch eine Physiotherapie ans Herz legen, um den Beckenboden zu stärken. Meine Frau Hilde hat das ebenfalls gemacht – seitdem kann sie niesen, husten und sogar herzhaft lachen, ohne dass ein kleines Malheur passiert. Und glauben Sie es oder nicht: Sie ist inzwischen so fit, dass sie tatsächlich einen Spagat hinbekommt. Also ich kann diese Therapie nur wärmstens empfehlen, Frau Fritz!“ Dr. Schlögl blickt kurz auf, bevor er sich wieder meinem Unterleib zuwendet und mit stolzgeschwellter Brust meiner Vagina weitererzählt, dass seine Enkelin Nora bereits stolze 92 Monate alt ist. Obwohl ich seit meiner frühen Jugend seine Patientin bin, hinterlassen seine Gespräche immer einen verstörenden Eindruck auf mich. Ich nicke geduldig, um zu zeigen, dass ich mich über diese Information freue, lenke mich jedoch ab, indem ich die Babyfotos an der Pinnwand gegenüber betrachte. Die Babys wirken alle so, als wären sie von Dr. Schlögl höchstpersönlich ins Leben gerufen worden. Einige von ihnen haben jedoch ein Aussehen, das wahrlich nur eine Mutter lieben kann. Zudem bemühe ich mich, den Gedanken zu verdrängen, dass Hilde mit ihren knackigen 70 Jahren der Nachbarschaft demonstriert, wie sie dank ihrer Therapie sorgenfrei hustet, ohne sich dabei einzunässen, oder wie sie im Spagat mit Nora Plätzchen backt. Was soll mir bitte ein Spagat bringen? Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals in einer Situation gewesen zu sein, in der ich gedacht habe: „Mensch, Louise, ein Spagat wäre jetzt genau das Richtige.“
Nachdem er mir noch einige absurde Tipps gibt, die ich schon allein aus Angst vor einer Einweisung in die Psychiatrie niemals umsetzen würde, danke ich ihm mit beiden Daumen nach oben, während ich ungalant vom Stuhl gleite. Im Grunde genommen ist diese Geste genauso absurd wie das Klatschen bei der Landung eines Flugzeugs. Dennoch fällt mir spontan keine bessere Art der Dankbarkeit ein, und eine Umarmung mit nacktem Unterleib wäre mir dann doch zu intim. Mit meinen hormongesteuerten Oberschenkeln, die sichtbar nach Wechseljahren aussehen, verlasse ich die Praxis – nicht ohne seiner gelenkigen Frau Hilde noch liebe Grüße auszurichten.
Draußen möchte seine Arzthelferin, die ebenfalls schon seit meiner Teenagerzeit hier arbeitet und gewissermaßen so sehr zum Inventar gehört wie die alte, zerfledderte Chesterfield-Couch, einen Kontrolltermin für das kommende Jahr mit mir vereinbaren.
Es überrascht mich, mit welcher gesunden und positiven Einstellung sowohl sie als auch Dr. Schlögl dem Leben begegnen. Schließlich sollten die beiden allmählich an ihre wohlverdiente Rente denken – oder ihren Nachlass planen. Ist es in diesem Alter überhaupt erlaubt, zu praktizieren? Anstatt jedoch abzuwinken, vereinbare ich tatsächlich einen neuen Termin in zwölf Monaten. Verdammt, ich hasse mich dafür, so loyal zu sein.
Eilig laufe ich über die Rotenturmstraße und mache noch einen kurzen Abstecher zum Buchladen, um zu sehen, welche neuen Bücher erschienen sind und welche es wert sind, meinen Kontostand wieder ein wenig zu strapazieren. An den Ratgeberund Lebensweisheiten-Büchern gehe ich schnell vorbei; die haben für mich so gut wie keinen Reiz.
Oft tragen sie ohnehin Titel, die wenig Sinn ergeben, wie „Mein Leben mit Orchideen“ oder „Wie schrotet man Brot ohne Arme.“
Nein, ich greife lieber zu anderen Genres und habe eine deutlich größere Schwäche für Bücher, hinter denen sich eine wirklich fesselnde Geschichte verbirgt. Zum Beispiel Fantasiebücher, denn die Fantasie gibt mir einfach die Freiheit, ohne Konsequenzen zu träumen. Wenn ich sage, ich bin ein Geheimagent, dann bin ich das – ganz egal, ob meine sportliche Fitness eher der eines Koalabären ähnelt oder ob meine Russischkenntnisse sich lediglich auf das Wort ‚Wodka‘ beschränken.
Im Grunde ist eine Fantasiegeschichte wie ein gemischter Salat aus den fröhlichsten und verrücktesten Zutaten, die das Gehirn zu bieten hat.
Der Verlag
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