Die Hintertür – Analsex verstehen, sicher genießen, offen darüber reden
Kaum ein sexuelles Thema ist so von Witzen, Mythen und Halbwissen umgeben wie Analsex. Viele sind neugierig, andere unsicher, und fast alle haben Fragen, die sie sich nicht zu stellen trauen. Dieses Buch gibt ehrliche, fundierte Antworten, ohne erhobenen Zeigefinger und ohne Sensationslust.
Jörg Bartel erklärt verständlich, wie der Körper an dieser Stelle aufgebaut ist, warum anale Stimulation Lust bereiten kann und weshalb Geduld und Entspannung so entscheidend sind. Er räumt mit hartnäckigen Mythen auf, zeigt, wie Paare offen über Wünsche und Grenzen sprechen können, und gibt praktische Hinweise zu Hygiene, Gleitmitteln, Hilfsmitteln und einem behutsamen Einstieg.
Ein eigener Teil widmet sich der Gesundheit: dem Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen, möglichen Beschwerden und den Warnzeichen, bei denen man ärztliche Hilfe suchen sollte. Auch besondere Lebenssituationen wie Schwangerschaft, Älterwerden oder chronische Erkrankungen kommen zur Sprache.
In diesem Buch erfahren Sie unter anderem:
- wie Anatomie, Nerven und Schließmuskeln zusammenwirken
- welche Mythen stimmen und welche nicht
- wie Einvernehmlichkeit und gute Kommunikation gelingen
- worauf es bei Vorbereitung, Gleitmittel und Spielzeug ankommt
- wie Sie sich wirksam vor Infektionen schützen
- wann Beschwerden harmlos sind und wann nicht
Ein Ratgeber für alle, die mehr wissen möchten: für Neugierige, für Paare, für Erfahrene und für alle, die für sich herausfinden wollen, ob Analsex überhaupt etwas für sie ist. Unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung.
Denn eines gilt immer: Offenheit bedeutet nicht Verpflichtung, und gute Sexualität beginnt mit Wissen und Respekt.

Buchdetails
Buchkategorie/Genre: Liebe, Romantik & Erotik, Sachbücher
Serie: Sexualität und Gesundheit (6 Bücher)
Erschienen bei: Independently published
Gebundene Ausgabe
ISBN: 979-8176746754
Seitenzahl: 94
Erscheinungsdatum: 2026
Preis: 17,99 EUR
Taschenbuch
ISBN: 979-8177225326
Seitenzahl: 94
Erscheinungsdatum: 2026
Preis: 12,99 EUR
E-Book/Kindle Ausgabe
ASIN: B0HL6JN2H8
Erscheinungsdatum: 2026
Preis: 6,99 EUR
Leseprobe
K A P I T E L 1
Ein Tabu im Wandel
Kaum eine sexuelle Praxis ist so sehr von Schweigen, Witzen und Halbwissen umgeben wie Analsex. Über kaum etwas wird so viel gekichert und so wenig ernsthaft gesprochen. Wer im Freundeskreis das Thema anschneidet, erntet oft verlegenes Lachen, einen derben Spruch oder betretenes Schweigen. Gleichzeitig zeigen Umfragen seit Jahren, dass Analverkehr keineswegs eine Randerscheinung ist. Zwischen dem, was Menschen tatsächlich tun, und dem, worüber sie offen reden, klafft eine erstaunliche Lücke.
Dieses Buch möchte diese Lücke schließen. Es will weder überreden noch abschrecken, sondern informieren. Denn wer gut informiert ist, kann selbst entscheiden, ob und wie er oder sie diese Form der Sexualität ausprobieren möchte, und zwar sicher, lustvoll und ohne Druck. Um zu verstehen, warum das Thema bis heute so aufgeladen ist, lohnt sich zunächst ein Blick zurück.
Ein Blick in die Geschichte
Analverkehr ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon in antiken Kulturen finden sich Darstellungen und Beschreibungen, etwa auf Keramiken aus dem vorkolumbianischen Peru, in griechischen Vasenmalereien oder in römischen Schriften. Die Bewertung dieser Praxis fiel dabei höchst unterschiedlich aus. In manchen Gesellschaften war sie Teil eines selbstverständlichen Sexuallebens, in anderen war sie an strenge soziale Regeln geknüpft, etwa daran, wer welche Rolle einnehmen durfte.
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Im antiken Rom zum Beispiel ging es weniger um die Praxis an sich als um Status und Macht. Für einen freien römischen Bürger galt es als unehrenhaft, beim Sex die sogenannte passive Rolle einzunehmen. Die aktive Rolle dagegen war gesellschaftlich weitgehend unproblematisch. Hier zeigt sich ein Muster, das uns bis heute begegnet: Die Bewertung von Analsex war oft eng mit Vorstellungen von Männlichkeit, Dominanz und Unterordnung verknüpft.
Mit der Ausbreitung des Christentums in Europa änderte sich der Blick grundlegend. Sexualität wurde zunehmend auf ihre Fortpflanzungsfunktion reduziert. Alles, was nicht der Zeugung von Nachwuchs diente, galt als Sünde. Unter dem Begriff „Sodomie“, der damals ein breites Spektrum an als widernatürlich angesehenen Handlungen umfasste, wurde auch Analverkehr geächtet, und zwar unabhängig davon, ob er zwischen Mann und Frau oder zwischen zwei Männern stattfand.
Diese religiöse Ablehnung fand ihren Weg in weltliche Gesetze. In England etwa stellte der sogenannte Buggery Act von 1533 Analverkehr unter Todesstrafe. In vielen Ländern blieben entsprechende Gesetze über Jahrhunderte bestehen. In den USA erklärte der Oberste Gerichtshof erst im Jahr 2003 die letzten noch gültigen Sodomie-Gesetze einzelner Bundesstaaten für verfassungswidrig. In Deutschland richtete sich der berüchtigte Paragraf 175 gegen sexuelle Handlungen zwischen Männern und wurde erst 1994 vollständig aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Viele Männer wurden aufgrund dieses Paragrafen verfolgt, verurteilt und gesellschaftlich ruiniert.
Diese lange Geschichte der Verbote hat Spuren hinterlassen.
Auch wenn heute niemand mehr für einvernehmlichen Analsex bestraft wird, wirken die alten Bewertungen im kollektiven Bewusstsein nach. Begriffe wie „schmutzig“, „unnatürlich“ oder „pervers“ tauchen in Gesprächen immer noch auf, oft ohne dass den Sprechenden bewusst ist, woher diese Urteile eigentlich stammen.
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Die doppelte Stigmatisierung
Ein besonderer Grund für die anhaltende Tabuisierung liegt in der engen gedanklichen Verknüpfung von Analsex und männlicher Homosexualität. Über Jahrzehnte galt Analverkehr in weiten Teilen der Gesellschaft als „schwule Praxis“. Wer als heterosexueller Mann Interesse an analer Stimulation zeigte, musste befürchten, dass seine Männlichkeit oder seine sexuelle Orientierung infrage gestellt würde.
Beide Annahmen sind falsch. Zum einen praktizieren viele heterosexuelle Paare Analsex, zahlenmäßig sogar deutlich mehr Menschen als in homosexuellen Beziehungen, einfach weil heterosexuelle Menschen die Mehrheit der Bevölkerung bilden.
Zum anderen zeigen Studien, dass keineswegs alle schwulen Männer Analverkehr haben. Ein beachtlicher Teil verzichtet ganz darauf oder bevorzugt andere Formen der Intimität. Die sexuelle Orientierung sagt also wenig darüber aus, welche Praktiken jemand mag.
Dass Männer über die Prostata beim Analverkehr intensive Lust empfinden können, hat mit Anatomie zu tun und nicht mit Orientierung. Darauf gehen wir im nächsten Kapitel ausführlich ein.
Auch Frauen erleben eine eigene Form der Stigmatisierung. Lange galt Analsex als etwas, das Frauen allenfalls „ertragen“ oder dem Partner „zuliebe“ tun. Die Vorstellung, dass Frauen selbst Lust an analer Stimulation empfinden können, kam in vielen Darstellungen schlicht nicht vor. Gleichzeitig wurden Frauen, die offen darüber sprachen, schnell abgewertet.
Autoren-Infos
Name:
Jörg Bartel
Autorenvita:
Jörg Bartel schreibt über Themen, die in Arztpraxen oft zu kurz kommen und am Küchentisch gar nicht erst zur Sprache kommen. Erektionsprobleme, Implantate, Fetische, Lust am eigenen Körper: Was viele Menschen beschäftigt, wird selten offen besprochen. Genau da setzen seine Ratgeber an. Er verbindet medizinisches Hintergrundwissen mit psychologischen Zusammenhängen und praktischen Tipps für den Alltag und die Partnerschaft. Dabei schreibt er klar, sachlich und mit einer Prise Humor, ohne zu moralisieren oder zu verharmlosen. Seine Leser sollen sich nicht belehrt, sondern verstanden fühlen. Sein Anliegen: Wissen zugänglich machen, Unsicherheiten abbauen und Mut machen, über das eigene Verlangen und die eigene Gesundheit zu sprechen, mit dem Partner, der Partnerin oder dem Arzt.
Autorenseite:
www.amazon.de/joerg-bartel
Kurzlink zu dieser Buchvorstellung: https://buecherversum.de/3qbau
