In den letzten 80 Jahren haben die Menschheit und der Planet Erde zahllose und radikale Veränderungen erlebt. Die Generation, die von den gesellschaftlichen, kulturellen, sozialen, politischen und technischen Umwälzungen berichten kann, stirbt jedoch allmählich aus. Das Überliefern von Geschichte und Geschichten ist wichtig, damit Lernen und Fortschritt möglich werden.
Dieses Buch versucht mit einem fiktiven Chat-Dialog zwischen Oma Susi (79) und Enkel Jakob (15) den Erfahrungsschatz der Nachkriegsgeneration an die Generationen Y, Z und Alpha weiterzugeben. Oma Susi Engelhardt besorgt auf dem Bauernhof ihres älteren Sohnes Georg in Hirschhorn am Neckar weiterhin den Garten und besucht an der Volkshochschule Heidelberg Kurse in Philosophie, Geschichte und Politik. Seit zwei Jahren chattet sie intensiv mit ihrem Enkel Jakob, dem Sohn ihres jüngeren Sohnes Paul in Neckargemünd. Ohne Tabus tauschen die beiden ihre Fragen und Ansichten über Sehnsüchte und Ängste, Gefühle und Hoffnungen, Einsamkeit und Eifersucht, Sex und Drogen, Gott und Tod sowie über Konsumhaltung und Klimawandel aus. Der Dialog ermutigt zum Gespräch zwischen den Generationen und bietet Impulse zum Nachdenken über den Sinn des Lebens und über die Zukunft der Menschheit und der Erde.

Buchdetails
Buchkategorie/Genre: Romane & Erzählungen
Erschienen bei: Verlagshaus Schlosser
Gebundene Ausgabe
ISBN: 978-3-7581-0363-6
Seitenzahl: 162
Erscheinungsdatum: 03.08.2026
Preis: 20,90 EUR
E-Book
ISBN: 978-3758163999
Erscheinungsdatum: 03.08.2026
Preis: 9,99 EUR
Leseprobe
Jakob
Hey Oma, meine Bros sind lowkey neidisch, weil ich mit dir über alles talken kann
Manche haben auch izi Verhältnis mit ihren Omas, aber niemand geht so deep wie wir. Du bist echt GOAT
Manchmal sagen die Bratans, du hättest Urknall & Dinos miterlebt
Für mich bist du lebendes Geschichtsbuch. Finde die heutige Zeit stressig. War’s schon immer so? g2g, cul8r 
Oma Susi
Mein lieber Jakob,
ich hoffe sehr, dass Du in 60 Jahren zumindest ein wenig von der guten alten Zeit schwärmen wirst, in welcher Du mit Deiner Oma gechattet hast. Aber Scherz beiseite. Ich schaue nicht ungern auf frühere Zeiten zurück, wenn ich aus dem Erlebten etwas für die Gegenwart lernen kann. Ich bin keine Nostalgikerin, die darüber trauert, dass es nicht mehr so ist, wie es früher in Wirklichkeit gar nicht gewesen ist. Ich blicke realistisch auf meine Kindheit und Jugend zurück und glorifiziere die „gute alte Zeit“ bestimmt nicht. Die Lehrer klopften uns mit dem hölzernen Lineal auf die Hände. Frühmorgens mussten wir zur Kirche gehen, wo uns der Pfarrer mit der Hölle drohte, falls wir unkeusch denken und handeln. Und am Wochenende sowie im Urlaub arbeiteten wir meistens daheim auf dem Feld. Mich stört nicht, dass sich unser Leben und die Welt in permanenter Veränderung befinden, sondern dass wir meinen, globale Krisen wie die Klimaerwärmung allein mit technischen Maßnahmen und ohne Verhaltensänderungen lösen zu können. Für viele technische Innovationen bin ich dankbar. In meiner Jugend diktierte ich am Postschalter noch Telegramm-Botschaften. Opa erhielt zur Hochzeit von seinen Eltern unser erstes schwarzweißes TV-Gerät. Später kamen die Tonband-Kassettengeräte auf, dann die VHS-Videorecorder, die Faxgeräte, Ende der Achtzigerjahre der erste Computer und etwas später die E-Mails. Du hast mich jeweils ausgelacht, als ich bis vor drei Jahren ein altes Nokia-Mobiltelefon besaß, mit dem ich nicht chatten konnte. Weil meine verbleibende Zeit auf Erden im Verhältnis zur gesamten Lebenszeit immer kürzer wird, müsste ich an sich wie Du das Gefühl haben, dass die Zeit immer schneller läuft. Aber das ist nicht der Fall, obwohl ich für manche Dinge, die ich früher im Handumdrehen erledigte, heute mehr Zeit benötige. In meinem Privatleben hat sich die Zeit eher entschleunigt, weil ich sie im Garten und in Büchern verbringe. Ich halte die Zeit manchmal förmlich an und weile ganz im Augenblick, falle aus der messbaren Zeit heraus und spüre einen Hauch von Ewigkeit. Auch bei tiefen Begegnungen mit anderen Menschen habe ich jeweils den Eindruck, dass die Zeit stillsteht. Und genauso ergeht es mir, wenn ich mit dir chatte.
Es knuddelt Dich Deine Oma
Über den Autor
Name:
Lukas Niederberger
Autorenvita:
Lukas Niederberger ist Philosoph und Theologe, Referent, Kursleiter und Ritualbegleiter. Der ehemalige Jesuitenpater leitet das tibetisch-buddhistische Retreatzentrum Landguet Ried bei Bern und schreibt in seinen Büchern über psychologische, spirituelle und gesellschaftliche Themen.
Webseite:
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