Das alte Haus auf dem Hügel vor dem Dorf von Christiane Portele

Eine Erzählung, behutsam geschrieben. Eine Geschichte, die Schwierigkeiten nicht aus dem Weg geht, sondern sie in den Mittelpunkt stellt. 

Anna stirbt. Johann ist voller Trauer.
Sanja ist voller Wut.
Sie gehen im Streit auseinander. Johann befindet sich in einem Abwärtsstrudel.
Ein Haus, das ihm ein Gefühl der Geborgenheit gibt, unerwartete Freunde und gemeinsames Musizieren zeigen ihm einen Weg aus der Depression. Er müsste ihn nur gehen.

Ein Buch über starke Frauen und sensible Männer.

das alte haus auf dem hügel vor dem dorf von christiane portele

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Buchdetails

Buchkategorie/Genre: Musik, Kunst & Kultur, Romane & Erzählungen

Taschenbuch

ISBN: 978-3695 136810
Seitenzahl: 380
Verlag: BoD – Books on Demand
Erscheinungsdatum: 29.11.2025
Preis: 14,99 Euro

E-Book

ISBN: 978-3695752348
Verlag: BoD – Books on Demand
Erscheinungsdatum: 29.11.2025
Preis: 9,99 Euro

Kindle Ausgabe

ASIN: B0GL9DT4Z7
Verlag: BoD – Books on Demand
Erscheinungsdatum: 03.02.2026
Preis: 9,99 Euro

Über die Autorin

Name der Autorin:
Christiane Portele

Die Autorin im Social Media:
Instagram: @christianeportele.autorin

Mehr Informationen zum Autor:
Christiane Portele, geboren 1974 in Stuttgart, studierte Germanistik und Anglistik auf Lehramt und arbeitet seit ihrem Abschluss als Gymnasiallehrerin. Nebenher ist sie verheiratet, Mutter von 4 Kindern, politisch, musikalisch und sozial aktiv und verbringt jede freie Minute im Garten oder in der Natur. Nach etlichen vergeblichen Versuchen, etwas zu Papier zu bringen, hat sie neben Beruf und Familie ihr Erstlingswerk „Das alte Haus auf dem Hügel vor dem Dorf“ verfasst. Inzwischen wurden etliche Kurzgeschichten und Gedichte von ihr in Anthologien und auf verschiedenen Plattformen veröffentlicht. Neben ihrer Liebe zum geschriebenen Wort und zu Sprache(n) im Allgemeinen, gilt ihre Leidenschaft dem Malen, Kochen, ausgedehnten Spaziergängen am Rhein entlang und dem Meer. Sie setzt sich für gleiche Rechte für alle, im Besonderen für Frauen, Flüchtlinge und queere Menschen ein und hasst Diskriminierung und Ungerechtigkeit in jeder Form.

Leseprobe

Piet schenkte sich ein Gläschen Kräuterschnaps ein und genoss den ersten Schluck, die Schärfe auf der Zunge und am Gaumen. Behaglich lehnte er sich in seinem Armsessel zurück. Ehrfürchtig nahm er die vergilbten Notenblätter aus ihrer Mappe, strich mit den Fingerspitzen über die schwarzen Noten, fuhr die vom hastigen Blättern eingerissenen Seiten nach und dankte im Stillen dem Baron dafür, ihn als jungen Mann mit dieser wundervollen Musik in Berührung gebracht zu haben. Er nahm noch einen Schluck und freute sich an der wohligen Wärme des Kräuterbrandes, die seinen Unterleib durchströmte. Er schloss die Augen und befand sich augenblicklich in der prachtvollen und doch geschmackvoll gediegenen Eingangshalle des alten Hauses wieder, deren Schwelle er immer voller Ehrfurcht übertreten hatte. Kaum einer der Dorfbewohner war je durch die zwei großen Flügeltüren hindurch in die Eingangshalle geschritten, das war ein Privileg der Bandmitglieder. Die Türflügel waren aus einem sehr dunklen, fremdartigen, wohl tropischen Holz gefertigt und mit kunstvollen Schnitzereien verziert. Schwer waren sie. Zwei Diener mussten ihre ganze Kraft aufwenden, um sie zu öffnen.
Schwer war auch der Kontrabass, den sein Freund Pavel, der Sohn des Organisten, für jeden Auftritt auf den Hügel zum alten Haus schleppte. Auch er spielte in dem Ensemble des Barons, das auf dessen Empfängen und Bällen zum Tanz und zur Unterhaltung musizierte. Dann waren da noch Pavels Vater, der den schwarzen Flügel im großen Saal spielte, und Toffel, der ihnen den Rhythmus gab. Er hatte kein Schlagzeug, aber er konnte mit jedem Gegenstand einen Beat erzeugen. Das war so ein neumodisches Wort gewesen, das der Baron aus New Orleans mitgebracht hatte. Ja, Piet wusste, dass heute jedes Kind dieses Wort kannte, aber damals hatten sie sich sehr privilegiert gefühlt, als einfache Dorfbewohner dieses englische Wort benutzen zu können. Manchmal durfte Toffel auf den großen senegalesischen Djembes spielen, die der Baron aus Afrika mitgebracht hatte. Seine kräftigen Hände entlockten den großen bauchigen Trommeln ungeahnte Töne. Und auch wenn sie gar nicht spielten, trommelten Toffels Finger auf irgendeinem Gegenstand irgendeinen Rhythmus, der ihm gerade durch den Kopf ging.
Das letzte Mitglied ihrer Band war Mikel gewesen. Ein unscheinbarer, blasser Junge, dunkelhaarig, kaum erwachsen, den man kaum wahrnahm, bis er die Trompete an die Lippen setzte. Er war ein unglaublich begabter Musiker, der sein Instrument intuitiv spielte. Er schien geradezu verwachsen mit seiner Trompete und zauberte eine unvorstellbare Bandbreite an Tönen, mal kräftige und fanfarenartige, dann wieder leise, klagende, wehmütige Laute.
Piet seufzte und trank noch einen Schluck. Was wohl aus Mikel geworden war? Nach dem plötzlichen Rückzug des Barons aus dem öffentlichen Leben war Mikel eines Tages fortgegangen und er hatte ihn aus den Augen verloren. Aber wenn er wie jetzt die Augen schloss und an ihn dachte, hörte er wieder Mikels begnadetes Trompetenspiel. Sie waren eine sehr gute Band gewesen, die erste und lange Zeit die einzige, die hierzulande Jazzmusik gespielt hatte. Das Haus war für sie zum Inbegriff einer anderen Welt geworden, in die sie bei Empfängen, Bällen und Gesellschaften des Barons einen Einblick erhalten hatten. Einen Einblick in eine wohlhabende und sorglose Welt, aber auch – und das hatte er sehr schnell durchschaut – in eine frivol-oberflächliche Welt, die keineswegs eine Garantie dafür darstellte, glücklich zu sein.

Am nächsten Abend traf sich Piet mit seinen alten Musikerfreunden Toffel und Pavel im „Baron“, wie die Dorfbewohner das Dorfgasthaus „Zum reichen Baron“ liebevoll nannten. Sie trafen sich jeden Mittwochabend dort, aßen zusammen, saßen um den runden Tisch und tranken das eine oder andere Bier. Dabei schwelgten sie in Erinnerungen und tauschten sich darüber aus, was die Politiker regional, national wie auch weltweit ihrer Meinung nach alles falsch machten. Je nach Verfassung und Stimmung packten sie zu mehr oder weniger fortgeschrittener Stunde ihre Instrumente aus, die sie immer mitbrachten, ob sie nun spielten oder nicht. Sogar Pavel, der mittlerweile auch schon recht betagt war, ließ es sich nicht nehmen, jeden Mittwoch seinen Kontrabass in den Baron zu schleppen. Eigentlich spielten sie jeden Mittwochabend. Man konnte an einer Hand abzählen, wie selten sie nicht gespielt hatten. Da war einmal der Tag gewesen, an dem Piet ihnen erzählt hatte, dass seine Frau ihre Krebsdiagnose erhalten hatte, dann als sie vom Bau der Berliner Mauer erfahren hatten und als Toffels Nichte bei einem Unfall gestorben war. Sie hatten die alten Stücke der Zwanziger Jahre aus New Orleans immer noch so gut in Erinnerung, dass sie oft den ganzen Abend diese Jazzstücke spielten. Und auch wenn Klavier und Trompete fehlten, so klangen die Titel doch nach wie vor gut und schmissig, schräg und melancholisch.

Der Verlag

BoD – Books on Demand: www.bod.de

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