Ein nächtlicher Anruf schreckt Robin aus seiner Routine und katapultiert ihn in Gedanken zurück in eine Zeit, die er erfolgreich verdrängt hat. Der Mann, der ihn jahrelang zur Prostitution gezwungen hat, ist aus dem Gefängnis entlassen worden und hat jetzt Robins Bruder entführt. Er fordert von Robin das Geld, dass er ihm entwendet haben soll, doch Robin hat dieses nicht. Um seinen Bruder zu retten, kratzt er sein Erspartes zusammen und eilt nach München zur Geldübergabe. Dort erwartet ihn das nächste Problem. Plötzlich steht er unter Mordverdacht und seine letzte Hoffnung ist Luis, der Mann, den er vor zehn Jahren verlassen hat.
Buchdetails
Taschenbuch
ISBN: 978-3384643506
Seitenzahl: 288
Verlag: tredition
Erscheinungsdatum: 29. Juli 2025
Preis: 14,99 Euro
Kindle Ausgabe
ASIN: B0FHC8ZJQX
Verlag: Amazon KDP
Erscheinungsdatum: 29. Juli 2025
Preis: 3,99 Euro
Über die Autorin
Name der Autorin:
Martina Kurfürst
Webseite der Autorin:
www.martinakurfuerst.de
Die Autorin im Social Media:
Author Central: www.amazon.de/Martina-Kurfürst
Instagram: @martina.kurfuerst
Mehr Informationen zur Autorin:
Martina Kurfürst ist in der Nähe von Düsseldorf aufgewachsen, und hat einige Jahre in Hessen gewohnt. Seit 2013 wohnt sie mit ihrer Familie in einem kleinen Ort am Rand zur Eifel. Ihre Liebe zu Büchern begleitet sie bereits seitdem sie lesen kann. In ihrer Freizeit schreibt oder fotografiert sie, näht, oder ist in ihrem Garten.
Leseprobe
Kapitel 1
Freitag, 11. Juli
ROBIN
Warm schien die Sonne auf mein Bett und ich schob die dünne Decke von mir herunter. Jetzt schlief ich schon nur in Boxershorts und trotzdem war es immer noch zu warm. Ich könnte mir auch eine andere Wohnung leisten. Eventuell wäre sogar ein Haus drin, aber was sollte ich allein mit einem Haus? Mir reichte meine fünfundvierzig Quadratmeter Dachgeschosswohnung direkt über meiner Bar, dem „Chez Miou“. Ein kurzer Arbeitsweg, sofort zur Stelle, wenn mal etwas nicht korrekt lief, und die Möglichkeit, mich für eine Pause in meine vier Wände zurückzuziehen, waren einfach Gold wert. Einzig die Hitze, die im Sommer nicht weichen wollte, machte mich mürbe.
Ich schlug die Decke nun endgültig beiseite und stand auf. Ich würde die Zeit nutzen, den Papierkram für die Bar erledigen und Getränke bestellen. Der letzte Junggesellenabschied war etwas eskaliert und einige der Spirituosen standen kurz vorm Ausverkauf. Außerdem hatte ich meiner Vermieterin versprochen, für sie noch ein paar Einkäufe zu erledigen. Sie war zwar soweit noch fit, aber die schweren Tüten bis in den ersten Stock zu tragen, brachte sie bei der Hitze an ihre Grenzen.
Aus der hellen Kommode, die unter dem Dachfenster stand, wühlte ich mir ein frisches T-Shirt und eine Shorts hervor und ging ins Bad. Auch hier stand die schwüle Luft und bevor ich in die Dusche stieg, öffnete ich weit die Dachluke. Das war der Vorteil von so einer Wohnung, hereinschauen konnten nur die Vögel, die Passagiere eines Flugzeugs und vielleicht noch der Bauarbeiter auf dem Kran einer nahen Baustelle.
Ich warf die verschwitzte Shorts in den Wäschesack in der Ecke, öffnete die Glastür der Dusche und stieg hinein. Bald darauf prasselte das warme Wasser auf mich hernieder und ich schloss genießerisch die Augen. Meine Gedanken schweiften ab. Weg von Papierkram und Getränkebestellungen, hin zu menschlichen Bedürfnissen. Unfreiwillig erschien ein Gesicht vor meinem geistigen Auge und kurz, ganz kurz ließ ich zu, dass es dort verweilte. Dann riss ich die Augen auf, um das Bild zu vertreiben, denn zu viele negative Erlebnisse waren hiermit verknüpft und ich würde ihn nie wiedersehen.
Mit einem Tuch wischte ich den beschlagenen Spiegel frei und betrachtete mich eingehend. Vereinzelt lugten zwischen meinen dunkelbraunen Haaren ein paar graue hervor, hier kamen die Gene meines Vaters durch, der ebenfalls mit Mitte dreißig schon einige graue Haare gehabt hatte. Zudem trug der wenige Schlaf sicherlich nicht dazu bei, dass es weniger werden würde.
Alles Gute zum Geburtstag, Robin.
Ich zog eine Grimasse und wandte mich ab. Ob ich diesen Tag jemals wieder mit jemandem feiern würde? Eine plötzliche Traurigkeit erfasste mich. Wie lange war ich jetzt allein? Neun Jahre? Oder waren es schon zehn? Irgendwann hatte ich aufgehört zu zählen. Einerseits sehnte ich mich nach Liebe und Zuwendung, doch auf der anderen Seite, der dunklen, konnte ich immer noch niemanden so richtig an mich heranlassen. Sobald sich die Beziehung in eine mehr als freundschaftliche Ebene entwickelte, verschloss sich mein Ich. Berührungen wurden zur Qual und Erinnerungen stürmten auf mich ein. Ich schluckte. Würde das nie enden? War ich dazu bestimmt, allein durchs Leben zu gehen? Meine Augen wurden feucht und unwirsch wischte ich mir darüber. Und wenn es so war, dann war es so. Doch unterschwellig wusste ich, dass meine Kraft dahinschmolz.
Ich klingelte zweimal kurz, dann schloss ich mit dem Schlüssel die Tür der Wohnung im ersten Stock auf. Abgestandene Luft schlug mir entgegen. Gerda, meine Vermieterin, hatte wohl wieder einmal vergessen zu lüften. Gerda gehörte das Gebäude in dem meine Wohnung und das „Chez Miou“ untergebracht waren. Vor einigen Jahren, als ich auf der Suche nach Arbeit war, traf ich sie zufällig auf der Straße. Ihr war der Einkaufsbeutel gerissen und alles lag auf dem Gehweg. Gemeinsam hatten wir ihre Einkäufe wieder zusammen geklaubt und ich hatte, der damals fünfundsiebzigjährigen, geholfen ihre Sachen nach Hause zu bringen. Als Dank für meine Hilfe hatte sie mich spontan auf einen Kaffee eingeladen und wir waren ins Gespräch gekommen. Ihr Mann hatte bis zu seinem Tod die Kneipe unten im Haus geführt, seitdem stand sie leer. Und ich weiß bis heute nicht warum, aber Gerda bot mir an, dass ich das Lokal übernehmen könnte. Viele Gespräche später war die Idee für das „Chez Miou“ geboren.
Etwas Schwarzes huschte zwischen meine Beine und strich daran entlang. „Hey Nuts, wie geht es Gerda?“ Der Kater antwortete mit einem langgestreckten Miau und lief vor mir her in die Küche. Dort saß die alte Dame am Küchentisch. Sie war etwas blass um die Nase und reagierte nicht, als ich den Raum betrat. Besorgt sprach ich sie an und trat zu ihr. „Hallo Gerda, ist alles in Ordnung? Du bist so blass.“
Jetzt hob sie den Kopf und sah mich aus ihren leicht trüben Augen an. „Ach Junge. Ich weiß auch nicht, mein Kreislauf will heute nicht so.“
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